“Trainer machen Schule” goes Steiermark

Während immer mehr Burschen sich die Fußballschuhe überziehen und ein Großteil der Mädchen entweder reiten oder tanzen, werden die Basketballhallen von Kindern immer weniger besucht. Vor allem im Mädchenbereich straucheln immer mehr Vereine eine Mannschaft in der Liga melden zu können. In der steirischen weiblichen u14 Landesliga sind heuer beispielweise lediglich 2 steirische und 1 Team aus Wolfsberg vertreten.

„So kann es nicht weitergehen!“, dachte sich unser Obmann Sebastian Eger-Mraulak und kontaktierte prompt Björn Hinrichs, einen 49-jährigen Juristen aus Norddeutschland, der seinen Job an den Nagel hängte, um in Deutschland ein riesen Projekt auf die Beine zu stellen: Trainer machen Schule.

Das Konzept klingt einfach: 4-5 Turnstunden in jeder Klasse mit einem lizensierten Trainer, in denen die grundlegenden Fähigkeiten wie dribbeln, passen und fangen, werfen und verteidigen mit viel Spaß erlernt werden sollten. Auch das Vermitteln vom Fair-Play und Teamgedanken steht ganz oben auf der Tagesordnung. Am Ende des Schuljahres findet ein riesengroßes Turnier mit allen besuchten Schulen statt, in dem die Klassen gegeneinander antreten und das Erlernte demonstrieren können.

Wer jetzt denkt Björn Hinrichs ruht sich in der Position des Organisators aus, der hat sich geirrt: Er selbst ist mitten im Geschehen, besucht gerade am Anfang des Projekts die Schulen und schafft es mit seinem selbstsicheren Auftreten und seiner lustigen Art die Kinder für Basketball zu begeistern. Inzwischen ist Trainer machen Schule so groß geworden, dass er mehrere Mitarbeiter hat, die ihm tatkräftig unter die Arme greifen.

Dieses Projekt soll nun auch in der Steiermark verwirklicht werden. UBI Graz möchte zusammen mit UBSC Graz und Bulls Kapfenberg die Finanzierung aufstellen, damit sich Björn in den nächsten Jahren dem Schulsport der Steiermark annehmen kann. Bereits im März kommt er für eine Bestandsaufnahme nach Österreich und möchte schon die ersten Weichen für einen erfolgreichen Start des Projekts im Schuljahr 2019/20 stellen.

BJÖRN HINRICHS IM INTERVIEW:

Wie entstand die Idee von Trainer machen Schule?

Vor 7 Jahren hat mich die Grundschule unseres Sohnes gebeten, im Sportunterricht ein paar Trainingseinheiten Basketball durchzuführen, da damals viele Sportstunden aufgrund des anhaltenden Sportlehrermangels auszufallen drohten. Zeitgleich hatte mein damaliger Verein durch die Einführung der Ganztagesschule extreme Schwierigkeiten, Nachwuchs aus den Grundschulen zu gewinnen und zu trainieren, da die Hallenzeiten bis 17:00h durch die Schulen geblockt wurden. Eine Verlagerung des Grundlagentrainings in die Schulsportzeiten erschien mir sinnvoll und einen Versuch war es wert.

Durch sehr schnelle und nachhaltige Erfolge, hohes Interesse der Medien und eine starke Nachfrage anderer Schulen wuchs das Pilotprojekt bis heute zu einem etablierten Schulsportprogramm mit über 70 Schulpartnern und über 4000 Kindern und Jugendlichen, die durch Trainer-machen-Schule pro Schuljahr inspiriert, motiviert und bewegt werden. Für die Vereine haben wir z.B. in 2018 70 Nachwuchs-Basketballer aus unserm Programm werben können.

Förderlich war zudem die Bereitschaft vieler Vereine aus der Region und der Bundesliga, Hilfe in Form von Material, Dienstleistungen und Helfern zu liefern.

So ist die Kooperation mit Alba Berlin und der Kinder+Sport Basketball Academy ein Zugpferd für unsere Abschlussturniere und Testtage!

Warum ist Trainer machen Schule für Vereine und auch die Kinder so wichtig?

Immer weniger Sportlehrer und Sportstudierende, hohe Stundenausfälle im Sportunterricht und stark reduzierte bewegte Zeit für Kinder und Jugendliche führt zu erheblichen Folgeerscheinungen:

Die Quantität und Qualität des Sportunterrichtes nehmen ab, die Motivation und Bereitschaft zu sportlicher Betätigung bei Kindern schwindet und zeitgleich wird Immobilität und Interaktivität durch lange Schulzeiten und anschließende Computer- und Handyspiele noch gefördert.

Ohne eine sportliche Grundlagen- und Basisausbildung an Schulen fällt es auch den Vereinen schwer, geeigneten Nachwuchs zu finden und in sinnvollen Tageszeiten zu trainieren.

Wir lösen diese Konflikte und Problematiken durch unseren TMS-Einsatz vor Ort durch Kooperation mit den Schulen und Vereinen.

Durch die Trendsportart Basketball haben wir bei den Kids eine hohe Aufmerksamkeit und in der Breite mehr Interesse und Bereitschaft zur Teilnahme als z.B. bei den etablierten Sportarten wie Fußball.

Die Lehrer/innen erfahren durch uns eine stete Fortbildung und werten durch unsere Hilfe ihren Unterricht auf.

Die Vereine können über die regionalen Schulprogramme und Aktionen für sich werben und direkt geeignete Kinder für den Trainingsbetrieb ansprechen und begeistern. Win-Win-Win !!

Was war dein bestes Erlebnis bisher in den Schulen?

Eigentlich hatte ich viele tolle Erlebnisse! So haben wir mit Trainer-machen-Schule z.B. gemeinsam mit dem DBB 2017 den Tagesrekord für abgeleistete Spielabzeichen anlässlich unserer Trainingswochen am Gymnasium Kaltenkirchen mit 605 erfolgreichen Prüfungen aufgestellt oder mit 534 erfolgreichen Rookie-Prüfungen im Sommerfinale der Grundschulen 2018 einen neuen Rekord für die Kinder+Sport Basketball Academy hingelegt.

Aber am stärksten bewegen mich immer die Momente, in denen z.B. meine Flüchtlingskinder durch unsere Hilfe stärker und selbstsicherer werden und final in unsere Vereine integriert werden oder gehandicapte Kinder sich über Basketball öffnen und sich Dinge trauen, die im normalen Unterricht nie möglich waren. Die Freude rührt mich jedes Mal!

Aber generell ist jeder Trainingserfolg und jedes Lachen der Kids eine tägliche Bestätigung und ein Anreiz, stets besser zu werden und sich zu hinterfragen!

Was hat dich in die Steiermark geführt?

Eure U12-Trainerin Filo trägt  sicher die Schuld an dieser überraschenden Verbindung! Erst hat Sie frecher Weise unsere Tochter im Frühjahr 2017 für die UBI-U12 in Göttingen ausgeliehen, um uns dann zum UBI-Sommercamp in Leibnitz zu locken. Dort habe ich dann einige Einheiten als Trainer absolviert, konnte viele engagierte Coaches wie z.B. Resa, Moni oder Manu kennenlernen und durfte dann noch einige Tage in Graz verbringen. Da ist der UBI-Virus wohl übergesprungen.

Und UBI zeigte 2017 relativ zeitnah reges Interesse an meinem Sportprogramm Trainer-machen-Schule und es folgten diverse Gespräche, die aber zunächst rein informativ waren.

Daher war der vorweihnachtliche Anruf Eures Obmannes Sebastian im Dezember 2019 mit dem Angebot eines Engagements in Graz eine Überraschung. Aber die folgenden Telefonate und  Treffen im Januar waren sehr überzeugend! Es gibt viele Möglichkeiten und Ansätze, gemeinsam Basketball in der Steiermark und für UBI in Graz voranzubringen. Diese Plattform reizt mich als Vollblutbasketballer sehr!

Und obwohl ich ein Küstenjunge bin, finde ich Eure Berge und Landschaft auch ganz nett 😉

Was sind deine kurzfristigen und langfristigen Ziele mit Trainer machen Schule in der Steiermark?

Kurzfristig gilt es, viele Schulen, die Schulträger und die Stadt und das Land von den Vorteilen einer Kooperation mit Trainer-machen-Schule zu überzeugen und für eine Förderung zu begeistern!

Mehr Sport an Volksschulen und bessere Unterrichtsangebote durch qualifizierte Trainer aus den Topvereinen der Region ist sicher ein Pfund, das Unterstützung wert ist.

Ein solches Programm muss finanziert werden und durch Fortbildung und Ausbildung von jungen Coaches mit Leben gefüllt werden. Da kommt definitiv zu Beginn einiges an Meetings und Hallenstunden auf mich zu!

Mittel- und langfristig soll Trainer-machen-Schule und fester Bestandteil des Sportunterrichtes in der Steiermark werden und darüber verlässlich Kinder und Jugendliche für die Nachwuchsteams der Partnervereine gewinnen!

Ich sehe meine künftige Tätigkeit definitiv langfristig und plane, bei entsprechender Entwicklung des Programmes und der finanziellen Basis auch komplett in die Steiermark zu ziehen.

Was passiert daweil mit Trainer machen Schule in Norddeutschland?:

Trainer-machen-Schule ist das größte Basketball-Schulsportprogramm außerhalb der Basketballbundesliga. Da wir aktuell über 70 Schulen und über 4000 Kids betreuen, werde ich zunächst pendeln müssen, um die Aktionen hier zu kontrollieren und zu betreuen. Hier hilft mir UBI mit viel Vertrauen und Unterstützung sehr!!

Ich arbeite aber mit meinen Partnervereinen und der Politik an einer Lösung, Trainer-machen-Schule über Honorartrainer im Norden weiter zu betreiben. Die Finanzierung wird aktuell verhandelt.

Mein Ziel ist es, beide Programme sinnvoll europäisch miteinander zu verbinden.

Da meine Familie bis zu einer Klärung der schulischen und einkommenstechnischen Situation im Norden bleiben wird, werde ich ohnehin eine gewisse Zeit in Schleswig-Holstein verbringen.

Aber nochmal: Ich sehe unsere Zusammenarbeit und Planung in Graz und der Steiermark nicht als kurzfristigen Spaß an! Die Basis mit UBI, dem UBSC und Kapfenberg und die Sportsituation an Volksschulen ist wert, den weiten Weg und einen vollen Einsatz auf mich zu nehmen!

Trainer machen Schule in 3 Worten:

Faszination , Motivation und Integration !!!! (WIR BEWEGEN KINDER!)

Gibt es auch Hobbies außer Basketball?

Da bleibt eigentlich nicht viel Zeit, oder? Aber ich liebe es, mit meiner Familie fremde Städte und Inseln zu erkunden. Ich koche gern für meine Familie und genieße gutes Essen und Trinken mit Freunden! Und ich liebe skandinavische Thriller und gute Geschichtsbücher, die ich in ruhigen Minuten verschlinge. Ich brauche regelmäßig das Meer bei jedem Wetter: Im Urlaub segle ich mit Anna und Hark Katamaran, ich schwimme und tauche oder sitze am Strand und beobachte die Wellen und den Himmel. Ab und zu traue ich mich noch auf ein Pferd, um nicht alle reiterlichen Tugenden zu vergessen.

Worauf freust du dich besonders in der Steiermark?

Ich freue mich auf das Training an Schulen und bei UBI und die Zusammenarbeit mit den jungen Coaches und Lehrern. Zusätzlich mich reizt sehr die Aufgabe, die 2.Bundesliga mit den “alten Damen” und den U19-Mädels zu trainieren. Die scheinen einiges an Dampf und Willen zu haben und die Kombi mit einem holsteinischen Dickkopf wird sicher interessant. Hier drohe ich schon mal mit einer gemeinsamen Wanderung auf den Schöckl, um uns besser kennenzulernen und die Kondi zu testen 😉 Ich bin neugierig auf viele neue Leute und deren Orte und Teams. So lerne ich schnell mehr über die Steiermark !